Werden wir dümmer durch Multitasking?
Eins nach dem anderen...so wurde man früher von alten, weisen Menschen „runter gefahren“, wenn man drohte, sich in hektischen Abwicklungen zu verstricken. Heute gilt als unfähig, träge, langsam, uncool, wer nicht zwei Dinge gleichzeitig erledigt. Doch diese irrsinnige Anforderung an sich und andere widerlegen Wissenschaftler und Forscher und warnen vor „Dummheit durch Multitasking“.
Der IQ schwindet
„Du kannst nicht gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen“ war auch immer ein sehr beliebter Spruch, der an Wahrheit kaum zu übertreffen ist. Denn klar ist: Man kann nur eine Sache richtig gut machen. Auf zwei Leitungen telefonieren, gleichzeitig die Emails checken und dem gestikulierenden Kollegen zustimmend zunicken. Das kann nicht funktionieren. Weder wurde auch nur einem der beiden Gesprächspartner richtig zugehört und die Informationen entsprechend abgespeichert oder verarbeitet. Auch wurde wahrscheinlich nicht wirklich verstanden, was der Kollege gerade angedeutet hat oder es schnell wieder vergessen. Die neuen Emails wurden zwar gesehen, aber ganz sicher nicht bearbeitet. Noch sicherer aber ist: Sie haben von den beiden Gesprächen und dem winkenden Kollegen abgelenkt, so dass das Hirn wahrscheinlich gar nichts richtig aufgenommen hat.
Wird das Gehirn normalerweise durch Anforderung trainiert und erweitert, wird es durch Überforderung jedoch geschädigt. Forscher wollen herausgefunden haben, dass bei Arbeitnehmern, die während der Arbeit von Telefon und Emails abgelenkt werden, der Intelligenzquotient fast doppelt so stark geschädigt wird, wie von Marihuana-Rauchern. Es liegt eben in der Natur des Menschen, dass er sich nicht auf zwei Aufgaben gleichzeitig konzentrieren kann. Wir glauben es zwar und der Anspruch an uns besteht auch – aber die Qualität der Arbeit leidet darunter. Irgendwie bekommen wir zwar alles mit, aber es wird nicht mehr gespeichert oder anständig verarbeitet. Denn durch die gleichzeitige Bewältigung mehrerer Aufgaben verliert das Gehirn die Fähigkeit zu fokussieren. Die Folge: Eine ausgeprägte Aufmerksamkeitsschwäche. Hirnforscher nehmen an, dass geteilte Aufmerksamkeit zu schleichenden Veränderungen unserer kognitiven Fähigkeiten führt. Neurologen erklären es damit, dass der Mensch nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit habe und nicht in der Lage sei, zwei Konzentrationen erfordernde Tätigkeiten gleichzeitig auszuführen. Das Hin- und Herspringen zwischen zwei „Aufmerksamkeiten“ brächte „Zeitlöcher“ mit sich, Momente, in denen man sich neu auf die jeweilige Aufgabe konzentrieren muss, worunter die Qualität beider Aktionen, zeitlich wie qualitativ, leide. Das rasche Wechseln zwischen zwei Aufgaben bedeutet im Endeffekt, dass wir doppelt so lange brauchen, als würden wir sie hintereinander abwickeln. Hinzu bewirkt diese doppelte Belastung die Ausschüttung der Stresshormone Kortison und Adrenalin und somit ungünstige gesundheitliche Effekte.
Klar ist: Dauerhaftes Multitasking setzt uns unter Stress, überfordert uns. Das merken wir selber. Konzentrationsschwäche, Aufnahmedefizite, Vergesslichkeit und Burn Out sind mittelfristig die logische Folge davon, behaupten die Wissenschaftler.
Machen wir es doch also wie unsere Vorfahren und konzentrieren wir uns wieder auf eine Sache. Deswegen werden wir nicht weniger bewältigt bekommen. Vielleicht aber sogar mehr.
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